In der DunkelheitAusgabe Dezember 2019 des Reiter-Kurier mit Wintertipps für Pferd und Reiter

Reiten wenn es finster ist. Geht das überhaupt?
Es ist eine Frage der Beleuchtung – aber viel wichtiger ist es, dafür zu sorgen, dass man gesehen wird.

Pferde haben nachts im Stall oder auf ihrem Paddock keine Probleme, etwas zu sehen. Sie sind es gewohnt auch im Dunkeln zu sein. Insofern ist ihr Sehvermögen schon mal kein Hindernis, wenn es um einen Ritt in der Dunkelheit geht. Was die Umstellung von hell auf dunkel angeht, sollte man aber Folgendes bedenken: Die Augen brauchen immer eine Weile, um sich daran zu gewöhnen. Das kennen wir, wenn irgendwo das Licht ausgeht, und man nur noch Umrisse erkennt. Beim Pferd dauert das Umstellen etwas länger, deshalb sollte man immer daran denken.
Vor allem dann, wenn man in dunkler Umgebung plötzlich eine Stirnlampe einschaltet. Der helle Schein kann das Pferd erschrecken. Besser ist es, man wendet den Blick ab und schaltet die Beleuchtungsstufe schrittweise hoch. Bei den meisten Stirnlam-pen ist das möglich. Dank LED-Technik sind die Stirnlampen mittlerweile so gut, dass man quasi mit Rundumbeleuchtung auf dem Pferd sitzen kann. Den Weg auf dem man reitet sieht man mit so einer Ausrüstung mit Sicherheit. Aber manchmal kann es sogar sinnvoll sein, die Lampe gar nicht erst einzuschalten. Etwa, wenn der Mond scheint oder die Sterne leuchten: Wenn man seine Augen dann an die Dunkelheit gewöhnen lässt, sieht man die dunkel Umgebung relativ gut.
Aber vor lauter Beleuchtung sollte man das Wichtigste beim Rei-ten im Dunkeln nie außer Acht lassen: Lassen sich Straßen nicht vermeiden, muss man von anderen Verkehrsteilnehmern unbedingt gesehen werden! Pferd und Reiter lassen sich in leuchtend gelbe Stoffe mit reflektierenden Streifen einhüllen. Klassische Warnwesten leisten da einen guten Dienst. Für Pferde sind Ausreitdecken sinnvoll, weil sie damit gut zu sehen sind, wenn sie im Scheinwerferlicht erscheinen. Es lassen sich auch Schweif, Beine, Zügel oder Reitstiefel einhüllen. Ob die komplette Montur sein muss, bleibt jedem selbst überlassen. Aber je besser Autofahrer Pferd und Reiter erkennen können, desto besser. Der Selbsttest öffnet einem da die Augen: Wie schnell erkennt man einen Radfahrer vor sich in der Finsternis?
Die Straßenverkehrsordnung sieht vor, dass nach vorne ein wei-ßes und nach hinten ein rotes Licht nötig sind. Für Letzteres eignen sich Stiefellampen, die sich am Schaft oder an den Chaps befestigen lassen. Stirnlampen lassen sich gut an Reitkappen befestigen. Für beides gilt: Immer auf volle Batterien oder geladene Akkus achten. Sobald die Leuchtkraft nachlässt, sollten sie ausgetauscht bzw. geladen werden.