Tränkwasser und Grundwasser gefährdet durch neue Erdgasfördermethoden?

By 16. Februar 2017Allgemein
Ölbohrung

Tränkwasser der Pferde in Gefahr?

Ist das Grundwasser und Tränkwasser der Pferde durch neue Erdgas- und Erdölfördermethoden gefährdet?

Zig-Kilometer Kabel liegen seit Ende Januar 2017 in der Nähe von Ampfing auf den Feldern um eine 3D-Seismik zu erstellen. Wir wollen hier gar nicht vor diesen Kabeln als Stolperfallen beim Ausreiten warnen. Oder um Verständnis für ihr Pferd bitten, wenn es sich während dieser „Rüttel-Zeit“ merkwürdig benimmt. Diese Warnung ist jetzt nur ein Nebeneffekt. Die Seismische Untersuchung ist einer der letzten Schritte für die Wiedererschließung des Erdölvorkommens um Ampfing.

Wir möchten auf die Gefahr für das Grundwasser durch neue Erdgas-und Erdölfördermaßnahmen aufmerksam machen. Denn Pferd und Reiter, Mensch und Tier, alle brauchen sauberes Wasser zum Überleben.

Die neue Erdgasfördermethode – Fracking in abgelenkten Bohrungen – steht öffentlich in Kritik, da eine schleichende Grundwassergefährdung, auch für die nächsten Generationen befürchtet wird. Dr. Marcel Huber hat als Umweltminister diese Gefahr für Bayern auch vorerst gebannt. Es gibt aber auch eine neue Erdölfördermethode, das Lazarusverfahren, wissenschaftlich EOR (Enhanced Oil Recovery) Maßnahme genannt. Darüber ist aber noch wenig bekannt. Wir wollen hier darüber informieren, da es im Verbreitungsgebiet des Reiter-Kuriers nicht wenige alte Erdölbohrstellen gibt. All diese alten Erdölvorkommen können jetzt, wie dieses in Ampfing, wieder interessant für eine neue Ölförderung werden.

Denn es gibt neue Techniken bei der Ölförderung, z.B. das Polymer-Fluten: hier wird in der Nachbarschaft der Ölförderbohrung eine gelatineartige Lösung in die Erde gepresst, die die Öltröpfchen zu der Ölförderbohrung schwemmen soll. Mit Tensiden, die wie Spülmittel auf angeklebte Ölteilchen wirken sollen, ist diese Technik auch möglich. Wobei Polymere und Tenside alternativ oder einzeln eingepresst werden können.

Wasser mit benachbarten Injektionsbohrungen in die Erde zu pressen, um mit diesem Wasser das Öl zur Förderbohrung zu schleppen, soll nach Th. Ewe (1) bereits seit Jahrzehnten bei etwa einem Drittel der Ölvorkommen als Technik im Einsatz gewesen sein.

In den guten alten amerikanischen Filmen, da schoß das Öl noch durch den Druck des anteiligen Erdgases, in einer Fontaine aus der Erde. Und dann wurde mit der Pferdkopfpumpe gepumpt. Etwa bis zu 35 % des Ölvorkommens in einem Erdölfeld konnten auf diese Weisen aus der Erde geholt werden.

Ob eine Wiedererschließung alter Ölfelder jetzt wirtschaftlich ist, hängt vom Ölpreis ab.

Ein Risikofaktor bei Bohrungen sind Erdbeben. Bohrlöcher können durch Erdbeben aufreißen und die Flüssigkeit, sei es Chemie oder Öl, kann aus dem Bohrloch ins Grundwasser austreten. Und Erdbeben sollen eventuell auch durch Bohrungen ausgelöst werden können. In Poing steht die Geothermiebohrung in Verdacht der Auslöser eines Bebens am 20. Dezember 2016 gewesen zu sein. Am Rande der Lüneburgerheide wurde vor mehr als zehn Jahren das Anwesen der Familie Wolf, Pferdehalter, durch ein Erdbeben beschädigt. In dieser Gegend kann es jedoch keine Erdbeben durch Plattenverschiebung geben. Dieses Rothenburgbeben 2004 wird in einer Sendung von TerraX, die noch verfügbar ist unter www.zdf.de/wissen/terra-xpress/riskante-gasfoerderung-in-deutschland-102.html , wahrscheinlich als Folge von Gasbohrungen im Sandstein gesehen. Der poröse Sandstein kann dort wo das Erdgas viele Jahre vorher entnommen wurde, in sich zusammensacken. In Ampfing wurde im aus  9 Gasbohrungen Gas gefördert, ,Die Produktion erfolgte aus dem „Ampfinger Sandstein“ ‘ (Quelle ,…‘: RAG-Austria, Präsentation Gemeinderat Ampfing am 9.9.2014).

Text/Foto: Andrea Akhigbe/Pixabay

(1)          Bericht „Erdöl auf Abruf“ von Thorwald Ewe in „Bild der Wissenschaft 4/2011, Seite 92,  („…“ sind Zitate aus diesem Bericht).; aus www.bild-der-wissenschaft.de am 1.2.2017

Für das Erdölfeld Emlichheim nahe der niederländischen Grenze schildert der Bericht „Erdöl auf Abruf“ (siehe 1) in gekürzter Form Folgendes: 65 % des Erdölvorkommens liegen nach der Ausbeutung vor 67 Jahren noch in der Erde. Die Bohrung jetzt (2011) wird kurz vor dem Erreichen der erdölhaltigen Gesteinsformation in die Horizontale gelenkt.  Es wird 300 Grad-Celsius heißer Wasserdampf mit 100 Bar Druck in die alte Lagerstätte gepresst, dies nennt man Dampffluten. Dadurch ändert sich die Viskosität, das zähe Öl fließt.

Foppe Visser, Leiter der EOR-Forschung bei Wintershall (Ölförderfirma in Emlichheim) erklärt, was noch geplant ist: „Wir machen jetzt Tests mit Chemikalien, um die Fördermenge weiter zu erhöhen.“ Und „Wir haben festgestellt, dass der Dampf in der Lagerstätte nach einer gewissen Zeit bestimmte Wege bevorzugt,…,Abseits dieser Fließwege wird das Gestein nicht genügend aufgeheizt…Wir pumpen zusätzlich ein Gemisch anorganischer Salze hinunter. Sie sollen die Schichten verstopfen, durch die der Dampf sonst vorzugsweise strömt. Dann ist er gezwungen, sich seinen Weg auch durch Gestein mit niedriger Durchlässigkeit zu suchen und heizt dort das verbliebene Öl heraus.“